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Leben und Arbeiten in Indien

Auswandern nach Indien – Leben in einem Land voller Kontraste

Indien ist alles andere als ein klassisches Auswanderungsziel und für viele Leute so anders und exotisch, dass sie sich nicht vorstellen können, dort länger zu leben. Als Urlaubsdestination ist es reizvoll und spannend, dennoch ist es das Fremde in vielen Bereichen, das es Ausländern schwer macht, sich in Indien einzuleben.

Als Durchgangsstation für Expats ist ein längerer, aber zeitlich begrenzter Aufenthalt sicherlich spannend, herausfordernd und auch bereichernd, den gesamten Lebensmittelpunkt für immer nach Indien zu verlegen ist allerdings unüblich, dennoch aber nicht ausgeschlossen. Gerade die Regionen Kerala und Goa sind bei Auswanderern beliebt und besonders Goa gilt als Aussteiger-Hochburg innerhalb Indiens. Im Jahr 2015 sind offiziell 761 Deutsche nach Indien ausgewandert und 829 kehrten wieder in ihre Heimat zurück. Zwischen 2005 und 2014 wanderten insgesamt 7.437 Deutsche nach Indien aus und 6.844 gingen wieder zurück.

Über Indien

Indien ist von der Fläche das siebtgrößte Land der Erde und nach China das Land mit den meisten Einwohnern der Welt. Rund 1,33 Milliarden Menschen leben im Jahr 2017 in Indien, das sind mehr als doppelt so viele Menschen wie in allen Ländern der EU zusammen. Für Ausländer ist die enorme Bevölkerungsdichte ungewohnt und wer das erste Mal nach Indien kommt ist von den Menschenmassen und dem Verkehr zunächst wie erschlagen. Besonders in den großen Städten wie Neu-Delhi, Kalkutta oder Mumbai wird deutlich, wie fremd Indien ist und in der Kultur und Religion verfestigt sich dieser Eindruck noch weiter.

Darüber hinaus machen es die 21 regionalen Sprachen des Landes schwer, mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt zu kommen, Englisch ist aber relativ verbreitet, sodass die Kommunikation in vielen Teilen des Landes einigermaßen klappt. Für den Norden Indiens schadet es nicht, ein wenig Hindi zu beherrschen, dort ist Englisch weniger verbreitet als in Zentralindien und im Süden. Ein Problem des Landes ist das Thema Korruption. Ohne das sogenannte „Bakschish“ läuft in Indien nichts – mit dem Schmiergeld werden Vorgänge beschleunigt und Gefallen erledigt.

Der Alphabetisierungsgrad Indiens liegt bei nur 35 %, die Spannweite zwischen Arm und Reich ist enorm, ebenso zwischen Tradition und Moderne. Einerseits hat Indien eine wachsende Wirtschaft, andererseits ist ein Großteil der Bevölkerung immer noch bettelarm und fast 60 % der Bevölkerung des Landes müssen mit weniger als 2 US-Dollar am Tag auskommen. Die Armut ist für viele Indien-Besucher erschreckend und der Traum vom exotischen Land weicht oft schnell der ernüchternden Realität.

Dennoch wirkt Indien auf viele Menschen anziehend und die Kultur und Geschichte des Landes, seine Küche, die Musik und die traditionelle Kleidung, machen es zu einer aufregenden Destination. Die Landschaft ist vielfältig, Indien bietet Berge, Ebenen, Traumstrände, Regenwälder, ein mildes Klima und eine uralte Kultur. Die Menschen gelten als sehr freundlich und optimistisch, gerade die arme Bevölkerung scheint erstaunlich lebensfroh und positiv und man merkt den wirtschaftlichen Aufbruch, in dem das Land sich befindet, wodurch die Grundeinstellung der Bevölkerung positiv ist. Für manche Rentner ist Indien ein interessantes Ziel, da die Lebenshaltungskosten um ein vielfaches günstiger sind als in Deutschland, besonders in den Provinzen. Importierte Waren beziehungsweise die Mieten in den großen Städten sind aber auch in Indien teuer.

Indien erweitert den Horizont, bereichert den Geist, lässt einen toleranter und entspannter mit vielen Dingen werden und steigert die interkulturelle Kompetenz enorm. Eine Auswanderung nach Indien sollte aufgrund der vielen schwierigen Aspekte gut überlegt werden, dennoch gibt es auch Punkte die dafür sprechen. So werden viele „Luxus“-Probleme aus Deutschland in Indien ganz klein und eine Besinnung auf Werte und das, worauf es im Leben ankommt, wird durch das herausfordernde und besondere Land in jedem Fall angeregt.

Welche Einwanderungsmöglichkeiten bietet Indien?

Wer langfristig nach Indien auswandern möchte, hat viele Hürden zu nehmen. Die zwingende Voraussetzung für Deutsche, die keine Verwandte in Indien haben, aber dort für längere Zeit leben wollen, ist eine Festanstellung in einem Unternehmen. Ohne Arbeitsvertrag und dem sogenannten „Letter of Appointment“ (einem Bestätigungsbrief), der vom zukünftigen Arbeitgeber ausgestellt und persönlich dem Konsulat vorgelegt wird, gibt es keine Möglichkeit ein langfristiges Visum zu erhalten.

Neben der Festanstellung ist auch eine amtliche Registrierungsbescheinigung für das Unternehmen in Indien, ein Zeugnis mit eigenen akademischen Qualifikationen und eben der Arbeitsvertrag die Voraussetzung, um den Antrag auf das langfristige Visum stellen zu können. Damit das Konsulat das Unternehmen, bei dem der Auswanderer anfängt zu arbeiten, noch besser prüfen kann, sollten weitere Auskünfte und Unterlagen zu diesem Unternehmen mit dem Visums-Antrag vorgelegt werden. Falls die indische Firma sogar eine schriftliche Einladung für den Job geschickt hat, sollte diese ebenfalls dem Visums-Antrag beigelegt werden. Die Kosten für das sogenannte Business Visa belaufen sich auf etwa 250 Euro.

Grundsätzlich ist es schwierig, als Ausländer bei einem indischen Unternehmen fest angestellt zu werden, da diese in der Regel Einheimische bevorzugen. Es gibt jedoch auch internationale Konzern-Niederlassungen in Indien, die immer mal wieder auf der Suche nach neuen Mitarbeitern aus dem Ausland sind.

Handelt es sich um eine langfristige Auswanderung mit der Aufgabe der deutschen beziehungsweise EU-Staatsbürgerschaft (was man sich reiflich überlegen sollte und was eigentlich aufgrund der Reisefreiheit als EU-Bürger und vielen weiteren Vorteilen nicht zu empfehlen ist), sollte dieser Schritt mit dem zuständigen Konsulat besprochen werden. Die Informationen zu diesem Thema sind sehr unterschiedlich, so geben unterschiedliche Quellen unterschiedliche Angaben zu der Zeit, die man in Indien gelebt haben muss, um indischer Staatsbürger zu werden. Die Angaben reichen von sechs Jahren am Stück, elf Jahren innerhalb von 14 Jahren oder zwölf Jahren. Auch die Heirat eines indischen Staatsbürgers kann die Beantragung der indischen Staatsbürgerschaft ermöglichen – die Bedingungen sind aber sehr komplex und sollten ebenfalls mit dem Konsulat besprochen werden.

Für kurzfristige Aufenthalte gibt es entweder das Touristenvisum für sechs Monate oder ein Employment-Visum für Konferenzteilnehmer, Angestellte, Studenten oder Geschäftsleute, das für bis zu einem Jahr ausgestellt wird.

Wohnen in Indien

In den großen Städten sind die Mieten für eine schöne Wohnung zwar nicht ganz günstig, insgesamt sind die Preise aber moderat. Gerade in den Provinzen ist es möglich, sehr günstig zu leben. Von einer Immobilie zum Kauf sollten Sie zunächst Abstand nehmen, da der Immobilienkauf in Asien generell riskant ist. Städteplanung ist praktisch nicht existent, Wohnviertel sind nicht als solche geschützt und der Wert der Immobilie ist wenig stabil.

Beim Finden eines geeigneten Wohnobjektes sollten Sie sich von Ihrem Arbeitgeber helfen lassen. Grundsätzlich ist es eher nicht empfehlenswert, schon aus Deutschland heraus eine Wohnung anzumieten, da vor Ort böse Überraschungen warten können. Gehen Sie lieber die ersten ein oder zwei Wochen in ein Hotel und suchen Sie von dort aus dann direkt vor Ort nach einem geeigneten Objekt.

Die indische Wirtschaft

Die indische Wirtschaft wächst, was allerdings nicht unproblematisch ist. So werden die Unterschiede innerhalb des Landes zunehmend größer und das Einkommensgefälle zwischen der armen Landbevölkerung (70 % aller Inder leben auf dem Land) und der wachsenden Mittelschicht in den Städten nimmt zu. Ihre Basis sind in erster Linie Kleinunternehmen in den Bereichen Dienstleistung, Industrie und Wirtschaft, von denen es Millionen gibt.  Ob rudimentäre Landwirtschaft, Automobilherstellung oder führende Computertechnologie – die Spannweite der verschiedenen Sektoren ist groß, die Produktivität der einzelnen Unternehmen hingegen jedoch wie auch das Wachstum eher gering. Das Wachstum, das vorhanden ist, ist aber immerhin konstant positiv. Die wirtschaftliche Kraft innerhalb des Landes ist ungleich verteilt, das Außenhandelsvolumen des Landes ist eher gering.

Gesundheitsversorgung in Indien

Die medizinischen Standards sind mit denen in Deutschland nicht vergleichbar. Wer nach Indien zieht, sollte unbedingt an den Abschluss einer umfassenden Langzeit-Auslandskrankenversicherung denken, die die Ausgaben für medizinische Behandlungen und Hilfsmittel deckt. Zwar ist bei vielen Jobs auch eine Eingliederung in das indische Sozialversicherungsrecht vorgesehen, dennoch ist der Versicherungsschutz darüber nicht immer annähernd ausreichend. Auswanderer müssen grundsätzlich mit einer deutlich schlechteren Versorgung rechnen als in Deutschland, besonders auf dem Land. Auch zwischen privaten und staatlichen Einrichtungen gibt es große Unterschiede. Sowohl die Ausstattung als auch die Hygiene von Arztpraxen und Krankenhäusern weist zum Teil große Defizite auf, sodass bei einer ernsthaften und langwierigen Erkrankung über eine Behandlung in Deutschland nachgedacht werden sollte.

Das Steuersystem in Indien

Jeder, der mehr als 90 Tage in einem internationalen Unternehmen in Indien arbeitet, muss Steuern zahlen. Drei verschiedene Steuermodelle gibt es:

  1. Indische „Residents“ müssen ihr gesamtes Einkommen im Land versteuern
  2. „Non-Residents“ müssen nur das Einkommen versteuern, das sie in Indien erwirtschaftet haben
  3. „Not ordinary Residents“ müssen alles, was sie in Indien verdient haben versteuern. Zusätzlich müssen sie alles, was sie durch ein in Indies geführtes Unternehmen oder einer in Indien angemeldeten Tätigkeit verdient haben in Indien versteuern.

Lebenshaltungskosten in Indien

Die Lebenshaltungskosten liegen auf dem Land sehr deutlich unter denen in Indien und selbst in den Städten kommt das Preisniveau nicht an Deutschland heran. Zwar ist es dort auch möglich mit einer schicken Wohnung, teuren Importprodukten und westlichen Lebensmitteln ein Leben zu führen, das preislich mit dem in Deutschland vergleichbar ist, wer sich aber nicht dauerhaft in teuren Touristen- oder Businessregionen aufhält, kann mit rund 25 US-Dollar pro Tag gut zurechtkommen. Wer komplett auf die indische Küche geht, kann sogar mit noch weniger auskommen. So liegen die Preise beispielsweise für ein Essen in einem preiswerten Restaurant in Neu-Delhi selten über 2 bis 3 Euro, 1 Kilogramm Reis ist für 1 Euro zu haben, 1 Kilogramm Kartoffeln für 40 Cent, 12 Eier für 90 Cent und ein lokales Bier für 1,50 Euro.

Ein Sozialleben in Indien aufbauen

Tiefergehende Kontakte mit Einheimischen zu knüpfen, ist in Indien oft gar nicht so leicht. Zwar sind die Inder sehr gastfreundlich, offen und man kommt mit ihnen leicht ins Gespräch, richtige Freundschaften aufzubauen dauert allerdings oft sehr lange. Zu verschieden ist meist der kulturelle Hintergrund, zu fremd scheinen die Strukturen und Traditionen des anderen. Gerade Expats, die nur für eine begrenzte Zeit zum Arbeiten in Indien sind, bleiben häufig unter sich oder schließen andere internationale Kontakte. Am leichtesten ist der Schritt in die indische Gesellschaft wenn man bereits verwandtschaftliche Beziehungen nach Indien hat und auf diese Weise Anschluss findet.