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Auswandern nach Brasilien

Auswandern nach Brasilien

Weiße Sandstrände, warmes Klima, ein entspannter Lebensstil und faszinierende Kultur. Ein neues Leben in Brasilien – Der Traum vom Auswandern ist unter den Deutschen schon lange keine Seltenheit mehr. Doch wie stelle ich das an? Beim Auswandern müssen bekanntermaßen so einige Hürden überwinden werden: Ob Visum, Arbeitsstelle, Lebenshaltungskosten oder die Kultur –  das Auswandern in ein fernes Land sollte auf jeden Fall gut durchdacht und geplant werden.

Zumal Brasilien nicht mehr das typische Auswanderungstraumland ist, was es einmal war und inzwischen von großen wirtschaftlichen Gegensätzen geprägt wird. Gründe für einen neuen Lebensabschnitt in Brasilien lassen sich jedoch immer noch zu Genüge finden. 

Warum gerade Brasilien?

Wirtschaftlich betrachtet zählt Brasilien zu einer der großen Industrienationen. Nachdem der Diktatur am Ende der 70er Jahre ein Ende gesetzt wurde, hat sich nicht nur das politische Spektrum liberalisiert, auch die Wirtschaft profitierte hiervon. São Paolo ist derzeit der größte industrielle Ballungsraum in Lateinamerika; hier sind ca. 1000 deutsche Firmen vertreten. Dies ist die stärkste Konzentration von deutschen Unternehmen weltweit.

Einwanderer, die hauptsächlich wegen ihrer Karriere und aus wirtschaftlichen Gründen nach Brasilien auswandern, sind natürlich am besten in einer der Großstädte aufgehoben.  Leute, die in Brasilien die Selbstständigkeit anstreben, haben hier gute Chancen.

Ebenso gut bietet sich Brasilien für Rentner und Pensionäre an. Naturliebhaber, die einen gemütlichen Spaziergang dem wilden Großstadttrubel vorziehen, können sich mühelos in einer der ländlichen Regionen niederlassen. Diese gibt es vor allem in der Nähe der Küste im Nordosten des Landes, im Pantanal, welcher nordwestlich von Sao Paulo liegt sowie im Sünden rund um Florianópolis.

Brasilien ist mit seinen ca. 200 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Südamerikas. Die meisten Bewohner haben sich in der Küstenregion angesiedelt. Die größten Städte Brasiliens sind São Paolo (über 20 Millionen Einwohner), Rio de Janeiro (ca. 8 Millionen Einwohner) sowie San Salvador de Bahia (3 Millionen Einwohner) und Recife (ca. 1,7 Millionen Einwohner).

Die beliebtesten touristischen Ziele Brasiliens sind Rio de Janeiro und Salvador de Bahia. Unter die absoluten Naturschönheiten Brasiliens fallen unter anderem die grünen Urwälder Amazoniens, die Iguacu Wasserfälle und das Feuchtgebiet der Pantanal.

Unentdeckte Wildnis und das riesige Amazonasgebiet im Norden, der dünn besiedelte Westen, multikulturelle Ortschaften mit lateinamerikanischen Flair oder große Ballungszentren und prickelnde Metropolen wie São Paulo, Rio de Janeiro oder Salvador an der Atlantikküste – Brasilien vereint all dies in einem Land. 

Klima und Landschaft

Da Brasilien das flächen- und bevölkerungsmäßig fünftgrößte Land auf der Erde ist, gibt es hier auch dementsprechend viele Klimazonen. Im Norden/Nordosten des Landes herrscht ein tropisches Klima: während der Regenzeit (im Winter) regnet es vor allem im Regenwaldgebiet am Amazonas sowie an der Nordküste mehrere Stunden am Tag. In der Trockenzeit (im Sommer) kann es bis zu 10 Minuten pro Regenguss regnen. In den Küstenregenwäldern ist die Niederschlagsrate nicht ganz so hoch, allerdings beträgt die Luftfeuchtigkeit so gut wie immer über 80%.

Zentralbrasilien und der Mittelwesten des Landes sind dahingegen eher trockenere Regionen, wie auch die Region um das brasilianische Bergland nördlich von Rio de Janeiro. Im Sommer herrschen hier Temperaturen um die 30°C und im Winter klettert das Thermometer meist auf bis zu 18°C.

An der Küste um Rio de Janeiro, also im Südwesten von Brasilien, kann man ein subtropisches Klima vorfinden: Im Sommer erreichen die Temperaturen schnell mal über 40°C mit einer Luftfeuchtigkeit von ca. 60%.

Der Süden des Landes genießt eine Mischzone aus subtropischem und gemäßigt-warmem Klima. Im Winter kann es hier aber auch mal deutlich kühler werden und die Temperaturen sinken auf unter Null.

Insgesamt umfasst Brasilien 53 Nationalparks und 8 Naturreservate. Im Norden beansprucht der Amazonas-Regenwald, der größte tropische Regenwald der Erde, 42 Prozent des brasilianischen Territoriums. Dort vorzufinden sind Bäume, die über 50 Meter hoch sind, über Tausend verschiedene Vogelarten und über Zweitausend Fischarten. Weiter in der Mitte des Landes liegt ein weiteres Ökosystem namens Pantanal. Dieses ist die größte Überschwemmungsebene der Welt und zugleich das Zuhause von mehr als 600 Vogelarten, 350 Fischarten, Tapiren, Kaimanen und Jaguaren. Die Stadt Foz do Iguacu, im Sünden Brasiliens, glänzt mit der bekannten Touristenattraktion, den Iguacu Wasserfällen. Hier bilden sich etwa 275 bis zu 90 Meter hohe Wasserfälle.

Zudem sind in Brasilien drei Hochebenen vorzufinden: im Mittelwesten des Landes liegen die „Chapada dos Veadeiros“ und „Chapada dos Guimaraes“ und im Nordosten Brasiliens sind die „Chapada Diamantina“ vorzufinden. Sie werden gekennzeichnet durch steile Felsabbrüche, Wasserfälle, Canyons und Höhlen und bieten somit ein perfektes Reiseziel für Trekkingliebhaber.

Im trocknen Gebiet des Nordostens lassen sich noch Oasen und Lagunen mit kristallklarem blauem Wasser vorfinden, welche sich aber nur zur Regenperiode zwischen Januar und Juni bilden. 

Die brasilianische Kultur

Es ist nicht nur das tolle Wetter, die atemberaubende Natur oder ein lukratives Arbeitsangebot, das den ein oder anderen Deutschen nach Brasilien zieht. Sondern auch das brasilianische Volk. Die Brasilianer pflegen eine ganz besondere Art, das Leben zu meistern – mit unendlich viel Bereitschaft, Gastfreundlichkeit und Freude. Ganz gleich ob Deutscher, Chinese oder Kanadier, in Brasilien ist jeder willkommen. 

Die indianische Abstammung, die Kolonisation der Europäer, die Sklaverei der Afrikaner und die Immigration vieler weiterer Völker verleihen Brasilien eine einzigartige Kultur und eine Vielfalt seiner Bevölkerungsstämme. Somit wurde Brasilien zu einem Zentrum afrikanischer, europäischer und indianischer Völker.

Auch wenn hier eine vielfältige Kultur vorherrscht, zeichnet Brasilien auch einige besonders traditionelle Dinge aus:
Zum Einen der Fußball. Diese Sportart ist hier so weit verbreitet und so beliebt, dass man so gut wie nie ein leeres Fußballfeld sehen wird. Sozialer Status und Infrastruktur haben hier nicht die Oberhand –  Fußball wird an jedem Ort, zu jedem Zeitpunkt und mit jeglichem Mitspieler gespielt.

Ein zweites Merkmal von Brasilien ist der Karneval. Dies ist die größte und umfangreichste aller Feiern. Und das mag schon etwas bedeuten, denn die Brasilianer lieben es, zu feiern. Von Festen mit afrikanischem Flair in Salvador da Bahia über eine Vielzahl indianischer Feste bis zum weltweit zweitgrößten Oktoberfest in der deutschsprachigen Stadt Blumenau. Hier lassen sich übrigens vielzählige Deutschstämmige wiederfinden, deren Vorfahren in den 1840ern nach Brasilien eingewandert sind. Die Leidenschaft zu Feiern und Festen spiegelt sich auch in ihrem Lebensstil wider:

Die Einwohner Brasiliens sind lebenslustig und leidenschaftlich, zugleich aber auch gelassen und gastfreundlich. Sie zeichnen sich durch ihre offene und kommunikative Art aus und trotz sozialer und finanzieller Schwierigkeiten und Unterschiede scheinen die Menschen dort das Leben mit Leichtigkeit und Optimismus zu nehmen. 

Die Geschichte Brasiliens

1500 wurde der Nordosten Brasiliens von Pedro Álvares Cabral, einem portugiesischen Seefahrer entdeckt. Kurz darauf wurde das Land von zahlreichen französischen, britischen und holländischen Piraten übergriffen. Nach und nach kamen über 1000 von Siedlern, Soldaten und Beamte nach Brasilien. Vom 16. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war Brasilien eine portugiesische Kolonie.

Ab 1550 begann der Sklavenhandel: bis 1888 wurden ca. 3,5 Millionen Sklaven von portugiesischen Kolonien in Afrika nach Brasilien gebracht, um auf Zuckerplantagen als Arbeitskraft zu dienen. 

1763 wurde Rio de Janeiro zur Hauptstadt Brasiliens deklariert, wobei zu Beginn der Kolonialzeit Salvador als Hauptstadt ernannt wurde. 1960 wurde der Hauptstadtsitz in die neu errichtete Stadt Brasília verlegt.

Darauffolgend wurde 1822 die Unabhängigkeit Brasiliens erklärt und das Land wurde zu einer konstitutionellen Monarchie.

Ein Jahr nach der Abschaffung der Sklaverei, im Jahr 1889 wurde der Kaiser von einem Aufmarsch des Militärs gestürzt und die föderative Republik wurde als Staatsform Brasiliens anerkannt. Der Übergang von der Monarchie zur Republik fand ohne jegliche Anteilnahme des Volkes statt.

Im Jahr 1964 kam ein Militärregime in Brasilien an die Macht. Die folgende Epoche der Diktatur im 20. Jahrhundert brachte nicht nur die Aufhebung demokratischer Grundrechte mit sich, sondern auch die Zensur von Kunst und Journalismus.

Das Ende der Militärdiktatur wurde 1985 mit einer Präsidentenwahl und der Rückkehr zur Demokratie besiegelt. Die folgenden Jahre unter einer demokratischen Staatsform waren zunächst durch Währungswechsel und Inflationsprobleme geprägt, doch schon bald wurde die stabile Währung Plano Real eingeführt, welche der Hyperinflation vorerst ein Ende bereitete. 

Die Aufenthaltsgenehmigung

Brasilien – ein Land mit starken wirtschaftlichen Perspektiven und Prognosen. Immer mehr Auswanderer zieht es in das fünftgrößte Land der Erde. Doch welche Voraussetzungen müssen Auswanderer erfüllen, damit sie ein Dauervisum erhalten?

Generell hat jeder EU-Europäer, der im Besitz eines mindestens 180 Tage gültigen Reisepasses ist, die Erlaubnis, nach Brasilien einzureisen. Wer kein Dauervisum besitzt, kann maximal 3 Monate in Brasilien bleiben. Im Anschluss muss man mindestens für 90 Tage ausreisen, um danach wieder für 90 Tage in Brasilien leben zu dürfen. Auf diese Weise können Einreisende bis zu 2 Jahre im Land bleiben.

Sie möchten dauerhaft nach Brasilien auswandern? Dann benötigen Sie eine Daueraufenthaltsgenehmigung („Permanencia“):

Zwecks Familienzusammenführung:

Hierunter fallen Auswanderer, die mit brasilianischen Staatsangehörigen verheiratet sind sowie ausländische Eltern finanziell abhängiger Kinder mit brasilianischer Staatsbürgerschaft.

Für den Antrag auf Familienzusammenführung aufgrund eines Ehepartners muss der brasilianische Familienangehörige einen brasilianischen Reisepass sowie eine brasilianische Heiratsurkunde (aus der die formelle Wirksamkeit der Ehe dargelegt wird) und eine Unterhaltsverpflichtungs-Erklärung vorlegen.

Der nicht-brasilianische Familienangehörige hat für den Antrag ein biometrisches Passbild, ein ausgefülltes Antragsformular, einen mindestens 6 Monaten gültigen Reisepass sowie ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Die Visagebühren belaufen sich auf 170,00€.

Wenn der Antragsteller ein Kind mit brasilianischer Staatsbürgerschaft hat, wird das Dauervisum dem ausländischen Elternteil ausgestellt. Hierbei ist zu beachten, dass das Kind sich in der Obhut der Antragsteller befinden und von den ausländischen Eltern wirtschaftlich abhängig sein muss.

In das Visum können auch nächste Familienverwandte miteinbezogen werden.

Für eine Aufenthaltserlaubnis bedarf es demnach entweder Verwandte, brasilianische Ehepartner oder Kinder, die über die brasilianische Staatsbürgerschaft verfügen und im Land leben. Sollte dies nicht der Fall sein, haben Einwanderer die Möglichkeit, mithilfe einer Kaution von 50.000 Reais einzureisen.

Als Ruheständler/in:

Einwanderer, die sich im Ruhestand befindlichen, können mit bis zu zwei wirtschaftlich von ihnen abhängigen Familienangehörigen eine Daueraufenthaltsgenehmigung erhalten. Voraussetzung ist der Nachweis, dass monatlich mindestens 6.000 Reais nach Brasilien überwiesen werden können.

Als Geschäftsführer, Unternehmensverwalter, Direktor oder Manager einer Handelsgesellschaft in Brasilien:

Geschäftsführer und Vorstände von Unternehmen sowie Selbstständige und Gründer haben die Möglichkeit, ein Dauervisum zu erhalten, wenn sie mindestens 600.000 Reais (ca. 225.000 Euro) investieren. Für diejenigen, die diese Summe nicht aufwenden können, gibt es eine Alternativinvestition von 150.000,- Reais, wobei allerdings innerhalb von zwei Jahren 10 neue Arbeitsplätze für Brasilianer geschaffen werden müssen. Aufgrund der Komplexität der Beantragung dieser Visum Art, sollte man einen brasilianischen Visa-Spezialisten zur Unterstützung in Betracht ziehen. Der Visumsantrag berücksichtigt Familienmitglieder des Antragstellers.

Als Investor, Verwalter oder Direktor von in Freihandelszonen gelegenen Unternehmen:

Visumsanträge dieser Art müssen zunächst dem Nationalen Rat für Freihandelszonen vorgelegt werden, welcher einen Antrag mithilfe eines Gutachtens befürwortet oder ablehnt. Die Anträge auf Erteilung einer Arbeitserlaubnis werden dann an das brasilianische Arbeitsministerium gesendet. Im Folgenden kann das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten in Brasilien dann Investoren, Verwaltern oder Direktoren ein Dauervisum ausstellen. 

Als Hochqualifizierte Fachkraft, Hochschullehrer oder Wissenschaftler: 

Wer eine Arbeit an Lehranstalten oder wissenschaftlich-technologischen Forschungsstätten beabsichtigt, kann ein befristetes Visum oder ein Dauervisum erhalten.
Wenn ein Arbeitsvertrag zur Ausübung einer maximal zwei Jahre langen Tätigkeit vorgelegt wird, kann ein befristetes Visum ausgestellt werden. Wenn diese Tätigkeit allerdings mehr als zwei Jahre umfasst, wird ein Dauervisum ausgelegt.

Jeder Antragsteller ist verpflichtet, vorab alle nötigen Unterlagen wie beispielsweise eine Kopie des Reisepasses, eine Geburtsurkunde, ein beglaubigtes Führungszeugnis oder ein Auszug aus dem Familienregister im Heimatland zu besorgen, in Portugiesisch übersetzten zu lassen und bei der Botschaft Brasiliens beglaubigen zu lassen. Im Anschluss kann ein Dauervisum beantragt werden. Die Antragsdokumente werden daraufhin vom Konsulat zur Analyse und Genehmigung bzw. Ablehnung zum Außenministerium in Brasilien geschickt. Hierbei ist allerdings etwas Geduld gefragt – das Verfahren kann bis zu 3 Monate dauern.

Der Arbeitsmarkt

Der wohl einfachste Weg nach Brasilien ist der Einstieg in einem der vielen deutschen Unternehmen. Brasilien ist Deutschlands wichtigster Handelspartner der Region mit Firmen wie Volkswagen, Daimler, Bosch, Bayer und Siemens, welche sich in der Wirtschaftsmetropole São Paulo angesiedelt haben. Wer sich in Brasilien ein neues Leben aufbauen möchte und sich dort beruflich engagiert, sollte allerdings vorab einen Portugiesisch Kurs belegen, denn mit Englischkenntnissen kommt man in der Regel nicht sehr weit.

Gesucht werden in Brasilien vor allem Techniker, Ingenieure und Naturwissenschaftler. Das Land zeichnet sich durch einen Reichtum an  Bodenschätzen, Öl- und Gasvorkommen aus, die Ölfirma Petrobras und das Bergbauunternehmen Vale do Rio sind derzeit die größten Arbeitgeber Brasiliens. Auch die Landwirtschaft bietet Auswanderern viele interessante Arbeitsplätze an: Brasilien ist der drittgrößte Agrarexporteur auf der ganzen Welt. Zudem lassen sich auch im Hightech Bereich Arbeitgeber vorfinden, wie beispielsweise Embrear, der drittgrößte Flugzeugbauer der Welt.

Die Wirtschaftsmetropole São Paulo zeichnet sich durch die Firmensitze unzähliger brasilianischer und internationaler Firmen aus. Beruflich gesehen haben Auswanderer, für die Arbeit eine zentrale Rolle spielt, hier demnach sehr gute Chancen. Dennoch ist die Riesenmetropole nicht der Favorit unter den Auswanderern – was unter anderem an einer hohen Kriminalitätsrate sowie an gravierenden Verkehrs- und Umweltproblemen liegt.

Auch Rio de Janeiro, die zweitgrößte Stadt Brasiliens ist der Standort vieler Firmen und somit aus wirtschaftlicher Sicht für Auswanderer mit beruflichen Prioritäten durchaus interessant. Allerdings hat Rio de Janeiro ein paar Vorteile gegenüber São Paulo: die Atlantiknähe, berühmte Strände wie Copacabana und Ipanema und die damit einhergehende höhere Lebensqualität.

Für Technologieunternehmen bietet sich das im Norden gelegene Recife als Standort an: Hier hat sich größtenteils Industrie aus Holland niedergelassen. Bei Firmen wie Unilever oder Philips haben Ingenieure oder Wissenschaftler oft gute Chancen.

In Maranhao, im Nordosten von Paolo, oder im Großraum von Sao werden Arbeiter der Luft- und Raumfahrt fündig, denn hier befindet sich das Raumfahrtzentrum Brasiliens.

Auswanderer, die einen Job in der Touristikbranche anstreben, sollten auf eine der vielzähligen Arbeitsmöglichkeiten entlang der langen Atlantikküste zurückgreifen. Internationale Hotelketten stellen oft ohne weiteres Arbeiter mit europäischen Sprachkenntnissen ein.

Während man sich bei einem brasilianischen Unternehmen bewirbt, sollte man allerdings bereits vor Ort sein, eine Online-Bewerbung ist meist zwecklos. Deshalb kann man durchaus in Erwägung ziehen, als Expat für ein deutsches Unternehmen einzusteigen und im Nachhinein zu einer brasilianischen Firma zu wechseln, was sich finanziell sehr lohnen kann.

Problematisch ist aber die Entwicklung der Expats: Deutsche Unternehmen setzen verstärkt auf innerbetriebliche Ausbildung, da Expats im Vergleich deutlich teurer sind als Brasilianer und sich die brasilianische Mentalität sehr stark von der deutschen Mentalität unterscheidet.

Eine Alternative ist natürlich die Selbstständigkeit in Brasilien; für diese benötigt man allerdings eine Investition von 600.000 Reais. Wer sich selbstständig machen möchte, für den empfiehlt es sich, sein Konzept vorab bei einem Gründungszentrum prüfen zu lassen. Wenn man eine Zustimmung erhält, hat das Konzept gute Erfolgschancen.

Wer in Brasilien arbeiten, handeln oder kaufen möchte, sollte beachten, dass man im Besitz eines sogenannten CPF sein muss. Die CPF-Nummer ist gleichzusetzten mit der deutschen Steuerkarte und jeder Besitzer muss über seine Nummer eine Steuererklärung abgeben.  

Das Gesundheitssystem und Versicherungen

Das staatliche Gesundheitssystem in Brasilien, SUS (Systema Único de Saude), stellt jedem brasilianischen Bewohner eine ausreichende medizinische Gesundheitsfürsorge zur Verfügung, ohne dass Beiträge gezahlt werdem müssen. Innerhalb der Gesundheitsvorsorge bestehen allerdings starke regionale Unterschiede: Während es im Nordosten des Landes noch gravierende Probleme mit Unterernährung und Kindersterblichkeit gibt, herrscht im Süden und Südosten von Brasilien ein Gesundheitsstandard, welcher mit vielen Industrieländern vergleichbar ist. In keinem Land in Südamerika ist der Unterschied zwischen Arm und Reich so groß wie in Brasilien. Am meisten hiervon betroffen sind Afro-Brasilianer und Indios.

Krankenversicherung:

Einwanderer sollten auf eine deutsche oder internationale private Versicherung ausweichen, da die Leistungen aus der staatlichen Krankenversicherung vergleichsweise gering sind und Zahnbehandlungen oder Medikamente hier beispielsweise nicht enthalten sind. Mit dem Abschluss einer privaten Auslandskrankenversicherung können zudem sehr lange Wartezeiten beim Arzt oder im Krankenhaus umgangen werden.

Außerdem sollte vor Abreise der eigene Impfstatus überprüft werden: Ausreichender Schutz sollte gegen Tetanus, Typhus und Polio bestehen. Zudem empfiehlt sich eine Impfung gegen Gelbfieber sowie Hepatitis A und B.

Rentenversicherung:

In Brasilien gibt es zwar eine Rentenversicherung, in die Arbeitnehmer und Arbeitgeber einzahlen, allerdings zahlen Arbeiter im Privatsektor die höchsten Beiträge, wobei diese aber die geringste Rente erhalten. Dies spricht für ein recht unausgeglichenes System der Altersvorsorge; private Rentenvorsorge ist deshalb für Einwanderer unvermeidlich. 

Lebenshaltungskosten

Generell lässt sich feststellen, dass die Lebenshaltungskosten in Brasilien mit denen in Deutschland durchaus zu vergleichen sind. Zu Dingen, die in Brasilien günstiger zu erwerben sind als in Deutschland zählen unter anderem Lebensmittel wie Gemüse, Fleisch und Früchte wie Orangen, Limetten oder Papaya, deren Produktion vom warmen Klima abhängt.

Teurer sind in Brasilien hingegen Elektronikartikel und importierte Waren jeglicher Art wie beispielsweise auch Wein und Sekt.

Generell gibt es keinen gravierenden Preisunterschied in den einzelnen Regionen zwischen Stadt und Land. Allerdings herrscht ein starkes Nord-Süd-Gefälle: je südlicher man sich befindet, desto teurer wird es auch. Nichtsdestotrotz gibt es auch im Norden des Landes einige Regionen, in denen das Leben etwas teurer ist, wie zum Beispiel in den Regionen um Fortaleza, Refice und Salvador.

São Paulo lässt sich als die teuerste Stadt Brasiliens und in Relation zum Einkommen auch als eine der teuersten Städte in der Welt erkennen. Im Binnenland und im ärmeren, niedriger entwickelten Nordosten sind die Lebenshaltungskosten deutlich geringer als im Süden, dafür sinkt in Richtung Norden auch der Lebensstandard.

Was die Wohnungspreise betrifft, liegen diese über deutschem Niveau. Der Kaufpreis einer Wohnung liegt bei 20.000 bis 100.000 Reais. Bei einer Wohnung in den Vororten von Großstädten kann man mit 20.000 Reais rechnen, in „besseren“ Wohngegenden von Rio de Janeiro oder Recife sollte man mindestens 100.000 Reais einkalkulieren.

Von der Steuer befreit sind alle, die im Monat unter 1.000 Reais verdienen; das reicht aber grundsätzlich zum Leben in Brasilien aus. Einwohner, die mehr verdienen, zahlen Steuern bis zu einem Spitzensteuersatz von 25%. Mehr muss allerdings keiner zahlen.

Für die Anfangszeit sollte man ca. zwei Jahre einplanen, um richtig anzukommen, den Kulturschock zu überwinden und in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Um in dieser Zeit keine finanziellen Schwierigkeiten zu bekommen, empfiehlt es, etwas Erspartes bei sich zu haben. Finanzielle Absicherungen sollte man allerdings nicht als Bargeld mitnehmen, sondern besser auf einem Konto lagern.

Und nun heißt es: Auf Wiedersehen Deutschland – Olá Brasil! Wir wünschen viel Erfolg in einem neuen Lebensabschnitt und eine spannende Zeit im wunderbaren Brasilien.

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